Donnerstag, 19. August 2010

Ausflug ins Indigenaland

Heute möchte ich von unserem Ausflug am letzten Wochenende berichten. Wir fuhren am Samstag früh in Richtung Momostenango, wo ich schon einmal war und auch einen Bericht darüber geschrieben habe. Wir übernachteten dort und besuchten am nächsten Morgen den sehr netten Sonntagsmarkt, wo wir noch einige Schafwollsachen besorgten.
Der Weg führte uns dann weiter nach Quetzaltenango, auch Xela genannt. Die zweitgrößte Stadt Guatemalas liegt auf 2.234 m Seehöhe und hat 140.000 Einwohner. Das Leben in der Stadt wirkt aber viel entspannter als in der Hauptstadt. Es gibt gemütliche Lokale, die Menschen gehen spazieren und sitzen auch im Freien. Auffallend sind die vielen verschiedenen Trachten, in die die Frauen gekleidet sind (da wir am 15. August - dem Marienfeiertag durch Xela flanierten, waren die Frauen besonders festlich gekleidet). Die Männer tragen hier durchwegs keine Tracht.
Wir fanden ein nettes, kleines Hostel in der Innenstadt und aßen sehr gut bei einem Italiener (die gibts sogar hier!).
Am nächsten Tag ging es weiter nach Zunil. Dort besuchten wir den Markt und waren begeistert von der Buntheit und der Ursprünglichkeit der dort ansäßigen Bevölkerung. In diesem Indigena-Städtchen gibt es so gut wie keine Touristen und so setzten wir uns einfach auf den Kirchplatz und fotografierten die Frauen in ihren Trachten, die dort eine schrille Buntheit und einen Mustermix zeigen, dass es einem fast die Sprache verschlägt. Niemals könnte eine weiße Frau so etwas tragen, ohne lächerlich zu wirken. An den Indigenas erscheint die Tracht aber autentisch und gar nicht kitschig. Sehr sehenswert ist auch der Friedhof des Ortes. Auch er ist, wie man wohl leicht erraten kann, sehr bunt.
Den Abschluss unserer Fahrt bildete der Besuch einer Glasfabrik, in der aus Altglas die typischen Gläser, die in Österreich in den 3.Welt-Läden verkauft werden (die mit dem blauen Rand), händisch hergestellt werden.
Wer an den Fotos dieses Ausfluges interessiert ist, klicke rechts auf den Link. Ich hoffe, ich konnte die Stimmung ein wenig einfangen!
Das war mein vorletzter Ausflug ins "tiefste" Guatemala. Nächstes Wochenende folgt der letzte, von dem ich demnächst berichten werde.

Mittwoch, 11. August 2010

Rafting am Cahabon

Vor etwas mehr als einer Woche waren wir am Fluss Cahabon im Norden Guatemalas raften.
Ein Projekt der dortigen Indigina-Gemeinde bietet eine Tour mit ausgebildete Bootsführern, Equipment und Booten an. Wir, das waren 4 Männer aus der österreichischen Schule, die Ehefrau eines der Lehrer und ich, schlossen uns an eine etwa 25 Leute starke Gruppe von Guatemalteken aus der Hauptstadt an. Am Morgen um ca. 10 h erfolgte nach einem gemeinsamen Frühstück die Ausgabe der Ausrüstung und eine Einführung, wobei vor allem die Kommandos der Bootsführer erklärt wurde. Dann wurden wir auf die Boote aufgeteilt und los ging der Spaß! Der Fluss führte sehr viel Wasser, weil es die ganze Nacht vor unserem Abenteuer geregnet hatte. Zuerst ging es zwar flott, aber recht harmlos dahin. Wir mussten einige harmlose Stromschnellen überwinden, wobei es darauf ankam, die Stellen richtig anzufahren. Das heißt: Der Bootsführer gab die Befehle, welche Personen im Boot (rechts oder links) in welcher Art und Weise paddeln mussten (vorwärts, rückwärts, stark, leicht).

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Plötzlich kamen wir an eine Stelle, die durch das Hochwasser so wild war, dass die Bootsführer beschlossen, diese zu umgehen. Die Boote wurden also "geschultert" und durch den Regenwald getragen - ein recht anstrengendes Unterfangen! Die Szene erinnerte an Fitzcerraldo (wer sich an den Film erinnert...)


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Die Stelle, an der die Boote wieder ins Wasser gelassen wurden, war aber auch nicht ohne! Das Boot tauchte mit der Spitze voll in ein Loch ein und das Heck wurde in die Luft geschleudert. Der Bootsführer und einer unserer Männer wurden aus dem Boot katapultiert, Alfons und ich verloren das Paddel und Wilfried und David brachten das Boot durh heftiges Paddeln an den ruhigen Flussrand, wo schon die anderen Boote auf uns warteten. Aber wo waren Günther und unser Bootsführer. Sorge machte sich breit, bis die beiden unbeschadet, aber ein wenig geschockt schwimmend beim Boot auftauchten.

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Gegen Ende der mehrstündigen Bootsfahrt sprangen einige von uns noch von einer Hängebrücke (im Videoclip Wilfried und ich beim Sprung) und mit einem Essen im eigens dafür erbauten Rancho wurde unser sehr abenteuerliche Ausflug abgeschlossen. Wir übernachteten danach in Semuc Champay, gingen am nächsten Vormittag noch in den natürlichen Schwimmbecken schwimmen und fuhren am Nachmittag fröhlich, aber auch ein wenig müde wieder in die Hauptstadt.

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Mittwoch, 14. Juli 2010

Besuch im Tortugario (in der Schildkrötenstation)

Vergangenes Wochenende haben wir im Tortugario, in der Schildkrötenstation der Schule verbracht. Sie befindet sich in El Gariton, in der Nähe von Monte Rico an der Pazifikküste. Diese Station wurde von Biologielehrern der österreichischen Schule vor vielen Jahren gegründet und dient dem Schutz des Schildkrötenbestandes. Dieser ist dadurch gefährdet, dass Schildkröteneier bei der Bevölkerung als besonderes Nahrungsmittel sehr beliebt sind. Man kann sie sogar auf den Märkten in Guatemala-City kaufen, obwohl dies offiziell verboten ist. Aber das ist, wie bei so vielen Dingen in Guatemala: Was nicht überprüft und bestraft wird, wird einfach übergangen! So hat man mit der Bevölkerung und den Eiersammlern an der Pazifikküste folgendes Abkommen getroffen: Wenn sie die Schildkrötennester plündern, dann sollen sie freiwillig 10 % der Eier in der Schildkrötenstation abgeben. Dort werden sie im "Tortugario", das ist ein eingezäunter Bereich, der mit Netzen vor tierischen Eierräubern geschützt ist, eingegraben. Wenn die kleinen Schildkröten nach ca. 48 Tagen geschlüpft sind, werden sie ins Meer gebracht.
Die Schule hat ein Grundstück direkt am Strand erworben und ein Haus mit einem Dachrancho, das heißt einer mit einem Palmendach überdeckten Dachterrasse gebaut. Auf dieser Terrasse kann man auf Klappbetten wunderbar schlafen. Die Intension war, dass Schulklassen der Schule immer wieder diese Station besuchen, dort auch arbeiten und forschen und so ein Bewusstsein für die Besonderheit der Meeresschildkröten gefördert wird. Leider ist, wie so vieles an dieser Schule dieser Gedanke ein wenig in Vergessenheit geraten und nur wenige Klassen nutzen die Möglichkeit ein paar Tage in El Gariton zu verbringen.
Wir haben einen Gaskocher und einige Lebensmittel mitgenommen, unsere Klappbetten aufgestellt, die Hängematten aufgehängt und die Ruhe fernab der Stadt, das Meeresrauschen und den Blick auf einen menschenleeren Strand genossen. Am Morgen des Sonntag brachte ein Eiersammler seine Donacion (das ist eine Spende) von 10 % seiner gesammelten Eier - 18 Stück.
Sie wurden von einem Arbeiter, der für diesen Job von der Schule beschäftigt wird, im Tortugario vergraben. (Siehe Bilder rechts unter dem Link "Tortugario")
Im heurigen Jahr sind erst wenige Eier abgegeben worden, denn das Meer, das in letzter Zeit sehr stürmisch war, hat für einen neuen Strandverlauf gesorgt. Die Nestplätze der Schildkröten liegen im oberen, bewachsenen Teil des Strandes. Nun hat das Meer aber den unteren Teil des Strandes abgetragen und für eine Stufe von ca. 2 m Höhe gesorgt. Diese Stufe können die Schildkröten nicht überwinden. Wahrscheinlich suchen sie sich andere Nistplätze, die leichter zugänglich sind.
Mitte August sollen die ersten Schildkrötenbabies schlüpfen. Vielleicht schaffe ich es, am richtigen Tag wieder nach El Gariton zu fahren und beim Schlüpfen und Entlassen ins Meer dabei zu sein.

Sonntag, 4. Juli 2010

Resümee Bolivienreise

Zurückgekehrt nach Guatemala möchte ich ein kleines Resümee über meine Eindrücke von diesem Land ziehen.
Sie sind natürlich subjektiv!




Zunächst ein paar Daten über Bolivien: (gesammelt im www.)

Größe: Ca. 14 mal größer als Österreich!

Einwohner: ca. 9 Mill.

Durchschnittliche Lebenserwartung: 66,53 Jahre (Österreich: Ca. 80 J.)

Fertilitätsrate (durchschn. Kinderzahl pro erwachsener Frau): 3,8 (Österreich 1,38)


Anhand dieser Daten lassen sich schon gravierende Unterschiede erkennen. Bolivien ist unheimlich dünn besiedelt. Man fährt wirklich oft stundenlang durch unbewohnte Gegend, was auch damit zusammenhängt, dass große Teile des Landes recht unfruchtbar oder sehr gebirgig sind. Die durchschnittliche Lebenserwartung von nicht einmal 70 Jahren zeigt, dass die medizinische Versorgung noch recht schlecht ist. In den Städten haben wir aber Kliniken gesehen, die an manchen Tagen der Woche kostenlose medizinische Versorgung anboten. Insgesamt kann ich mir vorstellen, dass vor allem in den dünn besiedelten Gegenden Ärzte Mangelware sind und auch der Transport von Kranken nicht organisiert ist, weil die Entfernungen einfach sehr groß sind (ich habe am Land nirgendwo einen Rettungswagen gesehen!)

In Bolivien gibt es viele, viele Kinder. Vor allem die indigene Bevölkerung, die ja ca. 70 % der Gesamtbevölkerung ausmacht, besteht aus sehr kinderreichen Familien. Die Frauen tragen ihre Kinder lange mit sich in einem Tuch am Rücken herum. Viele Kinder könnten eigentlich schon selbst laufen, werden aber noch immer getragen. Außerdem habe ich beobachtet, dass die Indigina-Frauen die Kinder sehr lange stillen. Da das Stillen recht ungeniert in der Öffentlichkeit erfolgt, konnte ich oft sehen, wie Kinder mit 2 - 3 Jahren noch an der Mutterbrust saugten. Grundsätzlich werden kleine Kinder von ihren Müttern immer zur Arbeit mitgenommen. Ob sie am Markt Gemüse verkaufen oder in der Stadt in einem Hostel in der Rezeption sitzen - die Säuglinge und Kleinkinder sind mit dabei, werden oft einfach am Boden gewickelt und entwickeln so eine gewisse Gelassenheit. Wir haben uns bei den elendslangen Busfahrten oft über die "braven" Kinder gewundert.
Ein großer Unterschied zu Österreich, aber vor allem auch zu Guatemala besteht in der politischen Meinungsäußerung. In Bolivien wird die politische Meinung sehr öffentlich in Kundgebungen, Demonstrationen und in manchen Fällen auch in Blockaden kund getan. Die Staatsmacht und die nicht demonstrierende Bevölkerung registriert diese mit einer gewissen Langmut, denn Polizisten marschieren zwar auf, sind jedoch nur mit Schlagstöcken bewaffnet und die Passanten sehen dem Treiben auf solchen Demos eher gelassen zu. Die indigene Bevölkerung wehrt sich aktiv gegen die Ausbeutung durch Großgrundbesitzer und gegen die Beschneidung ihrer Interessen. Dies führte natürlich auch zu Gegenbewegungen und im fruchtbaren Tiefland rund um Santa Cruz gibt es schon seit einiger Zeit massive Autonomiebestrebungen. Es wird viel diplomatisches und politisches Geschick von Evo Morales und seinen Mitstreitern brauchen, um das Land geeint zu halten. Zu groß sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen und auch zwischen den einzelnen Gebieten.

Was Bolivien so interessant macht:

  • viele verschiedene Klimazonen (vom Regenwald im Tiefland bis zum Wüstenklima des Salar und zum hochalpinen Klima der Cordilleren und der Anden)
  • viele Indiginas (leider fast ausschließlich weibliche) sind in traditionellen Trachten gekleidet
  • wunderbare Landschaftseindrücke im Gebirge mit traumhafter Fernsicht, die durch die
    trockene Luft in dieser Jahreszeit begünstigt wird
  • selbstbewusst wirkende Indiginas, die nicht nur "dulden" wie hier in Guatemala
  • äußerst günstige Preise bei Unterbringung (annehmbarer Standard), Essen und Transport
  • ein recht sorgloser Umgang mit Touristen, der Erlebnisse wie der Besuch der Minen von
    Potosí oder von nicht erschlossenen Tropfsteinhöhlen o.ä. ermöglicht. Bei uns könnte man so
    etwas nie sehen, da die Angst vor Unfällen zu groß wäre.(Zugegebenermaßen hat dieser Punkt 2 Seiten: Wenn etwas passiert übernimmt sicher auch niemand die Haftung!)
  • ein recht gut ausgebautes Busnetz, das auch dort und da schon recht luxuriöse Busse anbietet.
    Zu wünschen wären nur noch Tagfahrten, da die Busse in Bolivien auf den weiteren Strecken
    ausschließlich in der Nacht fahren.
  • es besteht kein offensichtliches Sicherheitsproblem. Man sieht kaum private
    Sicherheitsdienste und die Polizei ist größtenteils unbewaffnet.


    Worauf man sich bei einer Reise durch Bolivien einstellen sollte:
  • Teilweise sehr schlechte Straßen und waghalsig fahrende Busfahrer
  • In den Wüstengebieten und im Gebirge vor allem kalte Nächt
  • Viele Menschen haben Schwierigkeiten mit dem Luftdruck in den großen Höhen der Anden und Cordilleren bzw. in Städten wie La Paz und Potosí (Höhenkrankheit).
  • Es sind hauptsächlich Rucksacktouristen unterwegs. Luxusrundreisen wird man in diesem Land vergeblich suchen.

Mir hat Bolivien extrem gut gefallen und ich werde wohl den Rest meines Lebens das Fortkommen dieses Landes interessiert beobachten, wobei ich hoffe, dass es genau dort gelingen möge die Unterschiede zwischen den armen Indiginas und den reichen Weißen zu vermindern und ein Zusammenleben in gegenseitiger Achtung und Wertschätzung zu ermöglichen.













Mittwoch, 30. Juni 2010

The Death Road - die Todesstraße

Vor ein paar Jahren noch war diese Straße die von ca. 4.700 m auf ca. 1.100 m ins Tiefland führt die berühmt-berüchtigte Todesstraße. Sie ist nicht asphaltiert, sehr schmal und ungesichert, das heißt, es gibt keine Leitplanken oder sonstigen Sicherheitseinrichtungen. Der Verkehr wurde damals noch in beide Richtungen geführt und jährlich sind mehrere Busse, bzw. Autos abgestürzt. Nun hat man eine asphaltierte Straße auf der anderen Seite des Tales gebaut und die Todesstraße ist für Mountainbiker und ihre Begleitfahrzeuge reserviert. Sollte sie zumindest sein. Aber wie auf so vieles auf diesem Kontinent kann man sich auch darauf nicht verlassen. Uns sind jedenfalls mehrere Autos entgegengekommen. Aber von Anfang an erzählt:
In La Paz gibt es einige Tourveranstalter, die die Mountainbiketour anbieten. Die Plakate sprechen dabei von Todesgefahr und „nur die Tapfersten kommen durch“ usw. Auch im Reiseführer wird mehr oder weniger von der Mountainbiketour gewarnt. Also dachten wir uns: Die Landschaft soll ja besonders interessant sein, die wollen wir schon sehen, aber das mit den Fahrrädern tun wir uns nicht an. Das ist zu gefährlich. Also buchten wir 2 Plätze im Begleitbus. Früh am Morgen ging es los. Mit im Bus waren eine Französin, eine Schottin, ein Neuseeländer und …. 3 Tiroler, alle nicht älter als 23. Sie hatten die Ausrüstung wie Helm, Handschuhe usw. vom Anbieter bekommen und die Mountainbikes, eigentlich recht gute Räder, waren am Dach. Schon in La Paz war es am Morgen recht kalt und als wir auf den Pass Cumbre 4700 m hoch kamen, lag plötzlich Neuschnee. Die Stimmung unserer Radfahrer sank und als sie dann auf ihre Räder umstiegen, waren sie sehr skeptisch und wir sehr froh, dass wir nicht radfahren mussten. Die erste Stunde führte noch über eine Asphaltstraße und unsere Radler waren sehr durchgefroren. Die Mädels fuhren sehr langsam und ich dachte schon insgeheim, dass ich da wohl auch leicht mitgekommen wäre. Dann begann die eigentliche Todesstraße. Zugegeben, sie ist schmal, zugegeben neben der Straße fällt das Gelände oft hunderte Meter steil ab (da wird einem im Minibus fast mulmiger als am Radl) , aber erstens wird langsam gefahren und zweitens ist das Gefälle der Straße nie sehr groß. Die Autos, die uns begegneten waren langsam unterwegs und die Gruppe wurde von einem einheimischen Führer angeführt und vom Begleitauto abgeschlossen. Von Gefahr absolut keine Spur!
Wenn das Wetter schön gewesen wäre, hätten wir uns wirklich geärgert, denn 3000 Höhenmeter bergab zu fahren, ist schon ein Erlebnis. So aber waren wir froh, denn zwischendurch begann es dann auch noch zu regnen und es wurde nur wenig wärmer. Schließlich kamen wir nach 3 Stunden im Tiefland an. Das Wetter war nicht schön und so verließen wir nach einem Mittagessen die Gegend über die neue Asphaltstraße, von der aus wir viele Coca-Felder an den Hängen sahen. Hier wird sehr viel Coca angebaut, was in Bolivien mit Einschränkungen erlaubt ist. Die Sträucher dürfen eine gewisse Höhe nicht überschreiten, erklärte uns der Führer und er meinte: Bolivien ist ein Coca-Land, alle verwenden Coca, wobei natürlich das Kauen der Blätter gemeint ist und nicht die „veredelte“ Form des Kokains. Aber natürlich wird auch ein großer Teil der Coca-Blätter in Länder wie Kolumbien gebracht, wo die Umwandlung der Blätter in Kokain durch die Drogenkartelle erfolgt.
Insgesamt führte der Ausflug in eine sehr interessante und auch schöne Gegend. Allen Bolivien-Reisenden, die gerne Rad fahren würden wir bei schönem Wetter auch zur Mountainbike-Tour raten.
Morgen verlassen wir La Paz in Richtung Santa Cruz. Dort werden wir noch 2 Tage verbringen, ich werde mich noch einmal mit einem zusammenfassenden Bericht melden und dann geht der Flieger wieder ab nach Guatemala.

Sonntag, 27. Juni 2010

Chacaltaya und Mondtal

Als nächster Ausflug war die Besteigung des „Hausberges“ von La Paz geplant. Um ½ 9 h ging es mit einem Kleinbus voll mit 12 Leuten aus aller Herren Länder quer durch La Paz – natürlich wieder auf Umwegen, denn es war wieder die Hauptausfahrtsstraße durch Kundgebungen blockiert – zum Chacataya 5500 m hoch. Mit dem Kleinbus kann man eine sehr kurvenreiche Straße auf ca. 5300 m hoch fahren – die ungesicherten Abgründe neben der Straße lassen so manchen nach nicht vorhandenen Haltegriffen greifen… Zu gehen sind dann die letzten ca. 200 Höhenmeter – und die haben es in sich. Man schnauft ganz schön und vor allem anfangs ist jeder Schritt eine Anstrengung. Aber es lohnt sich! Das Panorama ist atemberaubend! Mehrere 6000er in der Umgebung, von verschiedenen Mineralien bunt gefärbte Bergseen, in der Ferne der Titicaca-See und sogar der höchste Berg Boliviens, fast 7000 m hoch! Auch Teile von La Paz kann man ausmachen! Es ist nicht besonders kalt und die Luft ist wie immer hier extrem trocken. Daher auch die extreme Fernsicht. Es ist auf jeden Fall ein erhebendes Gefühl auf so einem hohen Gipfel zu stehen.
Nach dem Abstieg geht es wieder in Richtung La Paz, wieder quer durch die Stadt und dann ins sogenannte Mondtal, einer Laune der Natur, die durch die Errosion Sandstein bizarr geformt hat. Am späten Nachmittag kehren wir nach La Paz in unser Hostel zurück um bald schlafen zu gehen, denn morgen geht es ins Tiefland. Darüber aber im nächsten Bericht

Titicaca-See und Isla del Sol

Schnell haben wir in La Paz ein kleines “Reisebüro” gefunden mit einem sehr netten und hilfreichen Besitzer und der erste Ausflug an den Titicaca-See war gebucht. Dazu ist zu sagen, dass Busfahrten und Ausflüge hier wirklich billig sind. Z. B. der fast ganztägige Ausflug auf den Chacataya und ins Mondtal kostet mit Führer 80 Bolivianos pro Person = ca. 9 €!
Also: Wir buchten ein Zimmer in einer Eco-Lodge in Copacabana am Titicaca-See und planten von dort aus weitere Ausflüge zu machen. Der Transport nach Copacabana erfolgte in einem 28sitzigen Bus in dem wir die einzigen (!) Fahrgäste waren. Der Bus wurde mit einer primitiven Fähre auf die Insel gebracht, auf der Copacabana liegt. Doch der See war ruhig und die Überfahrt problemlos, was nicht immer der Fall sein muss, was wir bei der Rückfahrt erlebten. Unsere Eco-Lodge erwies sich als wirklich schönes und interessantes Quartier. Es bestand aus Bungalows, die aus Adobe (das sind Lehmziegel) gefertigt waren. Wir erlebten erstmalig, wie gut diese Lehmziegel isolieren. Da tagsüber immer die Sonne schien, war es abends trotz niedriger Außentemperaturen innen nie kalt! Copacabana selbst ist ein Touristenort, wobei diese auch aus dem eigenen Land kommen. Z. B. werden in Copacabana viele Hochzeiten gefeiert und viele Einheimische besuchen den Ort am Wochenende. Am ersten Nachmittag erstiegen wir den Kalvarienberg – wieder schnaufend, denn auch der Titicaca-See liegt auf über 3800 m! Abends gabs ein sehr gutes Abendessen zum landesüblichen, günstigen Preis (wir zahlen zu zweit meist zwischen 6 und 10 €, Getränke inbegriffen!) und für den nächsten Tag buchten wir eine Bootsfahrt auf die Sonneninsel Isla del Sol – ca. 2 Stunden Bootsfahrt entfernt.
Der Morgen begann, wie immer, strahlend. Das Boot legte mit uns und weiteren ca. 25 Fahrgästen ab und wir fuhren über den sehr blauen, klaren Riesensee. Bald kamen die Cordilleren in Sicht und diese Mischung aus Berg und See machte eine ganz eigene Stimmung. Im Norden der Insel angekommen, machten wir uns auf zu einer Wanderung quer über die Insel, immer am Bergrücken entlang. Unser Boot sollte uns in ca. 4 Stunden später im Süden abholen. Also: Wieder einmal schnaufen, aber auch diesmal lohnte es sich. Wir hatten wunderbare Ausblicke auf denTiticaca-See und die umgebenden Berge und waren nach ca. 3 Stunden schon an der Südspitze. Ein Bier an einem sonnigen Plätzchen rundete den Ausflug ab. Wieder ein wunderschönes Landschaftserlebnis in diesem an Schönheiten so reichen Land!
Der nächste Vormittag wurde in der Sonne liegend vertrödelt und bevor wir um 13.00Uhr unseren Bus bestiegen, aßen wir in einem Einheimischenstandl am Strand gegrillte Forellen – die hier im See gefangen werden. Wieder ein kleiner Einblick in die Preise: 2 Forellen mit Reis und Pommes + 2 Flaschen Bier 60 Bolivianos = ca. 7 €.
Danach ging es wieder per Bus in Richtung La Paz. Unterwegs trafen wir auf einen Festumzug mit prachtvollen Masken. Man erklärte uns, dass das Fest des heiligen Petrus gefeiert würde. Komischerweise mit Inkamasken und Inkakostümen! Einer unserer Führer hat einmal zu uns gesagt: „Offiziell sind wir katholisch, aber in Wirklichkeit verehren wir viele Götter!“ Insoferne unterscheiden sich die Inkas nicht von den Mayas in Guatemala.
In La Paz angekommen müssen wir am Busbahnhof aussteigen. Wir winken uns schnell ein Taxi herbei und los geht die Fahrt. Doch nur ein paar Meter, da will ein Frau einsteigen. Sie quetscht sich auf meiner Seite auf den Rücksitz, Wilfried sitzt links von mir. Sie ist sehr freundlich und erklärt uns, dass sie aus Kolumbien kommt und 3 Tage Fahrt hinter sich hat usw. usw. Plötzlich hält das Taxi wieder und ein Mann behauptet von der Einwanderungsbehörde zu sein und will auch in das Taxi steigen. Da klingelt es bei uns! Wir wurden durch Plakate in den Hostels und durch eigene Artikel im Reiseführer davor gewarnt, dass Touristen aufpassen sollen, wenn jemand in einem Taxi zusteigt. Es sei nämlich häufig vorgekommen, dass diese dann von der "Übermacht" im Taxi beraubt wurden. In einer unglaublich schnellen Reaktion haben wir das noch stehende Taxi verlassen, den Kofferraum aufgerissen, unsere Rucksäcke herausgeholt und sind auf und davon. Das Taxi ist mit der Frau an Board weiter gefahren (sie hatte übrigens kein Gepäck, das ist uns aber erst später aufgefallen) und der vermeintliche Einwanderungsbeamte hat schleunigst das Weite gesucht. So haben wir durch Geistesgegenwart vermieden, dass die Leser dieses Blogs uns mit Auslandsüberweisungen aus der Patsche helfen mussten. So ist das Leben in Großstädten, leider auch hier in La Paz. Aber es ist alles gut gegangen und wir haben wieder dazu gelernt!