Sonntag, 7. Februar 2010

Wieder in Guatemala

Am Donnerstag bin ich nach einem fast zweimonatigen Heimataufenthalt wieder in Guatemala eingetroffen. Das Land fühlt sich nun in der Trockenzeit ganz anders an, als in der Regenzeit. Die Sonne ist noch kräftiger und es regnet fast nie, was dazu führt, dass im sonst so grünen Land die Gelb- und Brauntöne überwiegen. Seltsamerweise blühen genau in dieser Zeit viele Bäume in kräftigen Farben wie Rot und Gelb. Es gibt auch einige Baumarten, die nun keine Blätter tragen.

Wir haben dieses Wochenende am Pazifik, genauer gesagt in der Nähe von Las Lisas verbracht. Zum zweiten Mal haben wir den schmalen Sandstreifen, der auf der einen Seite von einem Fluss mit Mangrovenwäldern und auf der anderen Seite vom Meer begrenzt wird, besucht. Ein Belgier hat dort einige Bambus-Hütten und ein Restaurant errichtet. Der dunkle Sandstrand ist sehr sauber und im Meer kann man bei Flut recht gut schwimmen, bzw. sich von den großen Brandungswellen an den Strand spülen lassen. Es war sehr heiß - zeitweise hatte es 37 ° im Schatten. Zum Abendessen gab es frisch gefangenen, gegrillten Fisch oder Cevice (eine Art Salat aus Tomaten und kleinen Garnelen). Es ist wirklich ein idyllisches Plätzchen, wovon ihr euch selbst überzeugen könnt, wenn ihr die Fotos anklickt.

Freitag, 4. Dezember 2009

Rückschau auf eine intensive Reise

Nun bin ich wieder in Guatemala-City. Die Reise ans südliche Ende der Welt ist zu Ende. Gestern habe ich die Fotos durchgeschaut und bearbeitet und da ist mir erst klar geworden, wie intensiv diese vier Wochen eigentlich waren! Ich habe vor unserer Abreise gesagt, dass wir nicht mehr die Gleichen sein werden, wenn wir zurückkommen. Das hat sich noch nie als so richtig erwiesen! Wir mussten auf dieser Reise so flexibel wie noch nie sein - nix war fix, ständig gab es irgendwelche Abweichungen, Hindernisse und Schwierigkeiten. Wir haben sie gemeistert und uns dabei auch noch gut unterhalten, gebildet und zeitweise sogar erholt. Was will man von einer Reise noch mehr? Aber nun im Einzelnen:

Mein letzter Bericht stammt aus Ushuaia. Von dort ging es mit dem Bus nach Puerto Natales, einer Stadt in Chile, die nur über eine Straße aus dem Süden oder über das Meer erreichbar ist. Von hier aus kann man über den Landweg nicht weiter in den Norden Chiles - man muss über Argentinien fahren. Die Stadt selbst hat den Charme einer Goldgräbersiedlung. Die Häuser sind sehr klein und sehen alle ein wenig professorisch aus - Wellblechdächer, dünne Wände aus Holzplatten, einfache Schiebefenster - alles in Leichtbauweise. Dazu ist es doch recht kalt, nach Aussagen unserer Hostel-Wirtin - 15 Grad im Winter - knapp über 0 während unseres Aufenthaltes. Die Häuser sind alle mit Gas beheizt. Dieses wird hier in Chile gewonnen und kostet sehr wenig. Ich möchte einmal diese Stadt durch eine Wärmekamera sehen - der Energieverlust dieser Hütten muss enorm sein! Dafür gibt es überall Energiesparlampen! Wir haben von hier aus den Nationalpark "Torres del Paine" besucht, der wunderschöne Bergpanoramen, idyllische Wasserfälle und eine für uns exotische Tierwelt mit Guanacas, Nandus und Kondoren bietet.

Von Puerto Natales aus fuhren wir mit kleinem Gepäck mit dem Bus nach Calafate, in Argentinien um den Nationalpark "Los Glaciares" mit seinen Riesengletschern zu besuchen. Da die Saison erst im Anlaufen war, bekamen wir 2 Exkursionen zum Preis von einer, und so fuhren wir zunächst ganztägig mit dem Schiff um die drei größten Gletscher von der Wasserseite her zu sehen. Die Gletscher kalben dort eigentlich ständig. Der bekannteste der Gletscher "Perito Moreno" bewegt sich z. B. mit 2 m pro Tag vorwärts. An seinem Ende ist eine Felskante, von welcher große Eisstücke abbrechen, ins Wasser stürzen und als Eisberge ihre Reise antreten. Man fühlt sich unwillkürlich in ein frühes Erdzeitalter versetzt und spürt förmlich die unheimliche Kraft der Natur. Am zweiten Tag fuhren wir mit dem Bus zu einer Anlage mit Aussichtsstegen. Hier hatten wir die Aussicht auf den Gletscher von oben. Wenn man den Umweltforschern glauben darf, wird es diese Gletscher nicht mehr lange in diesem Ausmaß geben. Umso mehr freue ich mich, sie noch in ihrer ganzen Pracht und Kraft erlebt zu haben.

Nach drei Tagen Calafate ging es zurück nach Puerto Natales, von wo aus wir unseren Weg per Schiff in Richtung Norden fortsetzten. Die Schifffahrtslinie zwischen Puerto Natales und Puerto Montt gilt neben der Hurtig-Linie in Norwegen als schönste Seelinie der Welt. Man fährt ständig durch Kanäle, die manchmal nur sehr schmal sind und verbringt nur einen Tag wirklich auf offener See. Die Landschaft ist bis auf eine Siedlung, nämlich Puerto Eden (dort gingen wir 1 Stunde lang an Land) völlig menschenleer und zeitweise atemberaubend schön. Es gibt wieder Gletscher, Fjorde, bizarre Felsformationen und Wasserfälle zu sehen. Leider blieben die Wale, die um diese Zeit in dieser Gegend eintreffen sollten, aus. Nach 4 Tagen am Wasser kamen wir in Puerto Montt an. Puerto Montt ist eine Stadt, die sich innerhalb eines Jahrzehnts einwohnermäßig vervielfacht hat, derzeit hat sie 120 000 Einwohner. Dies ist vor allem auf die aufstrebende Lachszucht zurückzuführen. Das Hafenviertel dort ist sehr pittoresk und man kann sich sehr gut mit Produkten aus Schafwolle, Guanacowolle und Leder eindecken.

Von Puerto Montt aus ging es nach Bariloche in Argentinien, einer Landschaft, die sehr stark an das Salzkammergut erinnert. Wunderschöne, klare Seen, schneebedeckte Berge rundum und die Stadt fremdenverkehrsmäßig voll aufgeschlossen. Nach einer Nacht und einem guten Abendessen in Puerto Montt ging es wieder mit dem Bus mit "Cama" (Bett) 20 Stunden lang nach Buenos Aires. Die Busse sind wirklich sehr angenehm, man kann schlafen und bekommt ein Service wie im Flugzeug: Stewards bringen Mahlzeiten und Getränke und die Boardtoilette ist auch gut benutzbar. Am Busbahnhof angekommen, wurde mir noch in einer Drängerei aus meinem Rucksack ein Täschchen mit sämtlichen Ladegeräten (für die Kamera, für die Handys) gestohlen (Taschendiebe sind hier genauso geschickt wie überall auf der Welt!), doch im Busbahnhof kann man sich Handyladegeräte um 3 Euro kaufen - ich habe den Verdacht, dass sie das, was dort gestohlen wird, gleich wieder verkaufen... :-)

In Buenos Aires begaben wir uns wieder in die alte Bed & Breakfast - Villa, in der wir vor 4 Wochen nach unserem Unfall einen Teil unseres Gepäckes gelassen hatten (damit wir nicht soviel zu schleppen brauchten), genossen die Stadt noch einen Tag zu Fuß und einen Tag mit ausgeborgten Fahrrädern, wobei das bunte Künstlerviertel "La Boca", in dem Tango getanzt, gemalt und vor allem verkauft wird, und der sehr morbid wirkende Friedhof "Ricoletta" die Höhepunkte waren. Da unser Flugzeug nach Guatemala schon vor 6 Uhr früh startete, fuhren wir nach einem ausgiebigen "Grillabendessen" (gegrilltes Rindfleisch zählt zu den besonderen Gaumenfreuden hier in Argentinien) noch vor Mitternacht zum Flughafen, verbrachten dort die letzten Stunden und flogen dann mit Landungen in Peru (Lima) und Costa Rica (San Jose) zurück nach Guatemala-City.

Eine ereignisreiche, interessante Reise hat ihr Ende gefunden. Und dass sie dieses Ende gefunden hat, ist wohl nicht zuletzt den beiden Schutzengeln zu verdanken, die uns begleitet haben!



Zusammenfassend kann ich über Argentinien und Chile folgendes sagen:

Die Menschen in diesen beiden Ländern sind grundsätzlich freundlich und hilfsbereit. Die Argentinier strahlen vielleicht noch mehr Lebensfreude und Fröhlichkeit aus, scheinen aber auch die Geschäftstüchtigeren zu sein. Der Lebensstandard in Chile ist niedriger als in Argentinien, ebenso das Preisniveau. Während man in Argentinien knapp unter dem europäischen Preisniveau liegt, ist Chile vor allem was die Gastronomie betrifft, viel billiger. Man hat den Eindruck, dass durch die Erdöl- und Erdgasfunde in beiden Ländern das Sparen von Energie kein Thema ist, was in der wenig massiven Bauweise zum Ausdruck kommt.

In beiden Ländern sind eigene Zugänge für Behinderte und Behindertentoiletten Standard und man fühlt sich, außer vielleicht in Teilen von Buenos Aires, sehr sicher. Die Kriminalitätsraten sind niedrig (in Chile sogar die niedrigsten von Süd- und Mittelamerika). In beiden Ländern sind derzeit Frauen als Ministerpräsidentinnen an der Macht, was in den sonst vom Machismo geprägten Ländern Süd- und Mittelamerikas beachtlich ist.

Hat man früher die Besitzer der riesigen Estanzias (Farmen mit Viehzucht) beneidet bzw. bekämpft, hat man heute den Eindruck, dass diese durch die Konkurrenz am Weltmarkt sehr zu kämpfen haben. Man hört immer wieder, dass Estanzias nur duch Engagement im Fremdenverkehr lebensfähig sind. Viele Farmer verlassen auch ihr Land, was bei der Abgeschiedenheit in den Weiten der Pampas nicht verwunderlich ist. Da die Ureinwohner beider Länder im Prinzip ausgerottet wurden, gibt es auch das Problem des Rassismus, das z. B. Guatemala sehr prägt, eigentlich nicht. Selten sieht man vor allem im tiefen Süden Menschen, die so ähnlich aussehen wie Innuit. Sie wirken aber integriert und betätigen sich häufig im Fremdenverkehr z. B. als Fremdenführer. Die Urvölker Chiles und Argentiniens haben nicht viele Spuren hinterlassen. Was noch an Zeugnissen aus jener Zeit vorhanden ist, wird wohl fremdenverkehrsmäßig ausgeschlachtet und vom Kunsthandwerk nachempfunden, hat aber wohl wenig Wirkung ins Jetzt. Dies gilt vor allem für den Süden beider Länder, den ich bereist habe. In Chile gibt es noch eine größere Population der Mapuche, die auch immer wieder ihre Rechte einfordert, aber weiter im Norden lebt.

Die Nachbarschaft zwischen Argentinien und Chile fühlt sich ähnlich an wie jene zwischen Österreich und Deutschland. Das kleine Chile scheint ein wenig unter Minderwertigkeitskomplexen gegenüber dem großen Nachbarn zu leiden. Kleine Sticheleien von beiden Seiten gehören offensichtlich zum guten Ton und kommen fast in jeder Unterhaltung vor, die sich mit beiden Staaten beschäftigt.

Auffallend ist auch in beiden Ländern der deutsche Einfluss. Sehr viele Deutsche haben nach dem 1. und auch nach dem 2. Weltkrieg den Weg nach Chile oder Argentinien gefunden und das Land mitgeprägt. Viele Gaststätten, Geschäfte und auch Straßen tragen deutsche Namen und man findet auch immer wieder Menschen, die noch Deutsch sprechen und dies auch gerne tun.

Ich füge diesem Bericht einen bunten Reigen von Fotos von dieser Reise an. Die Bildunterschriften geben Auskunft über das Abgebildete. (Link links: Bunter Bilderbogen Patagonien 2009).

Damit verabschiede ich mich bis Februar - ich bin in der Zeit in Österreich. Da wir vorhaben im März wieder eine interessante Reise (geplant ist das Urwaldgebiet der Moskitia in Honduras) zu unternehmen, wird mein nächster Bericht vermutlich aus dieser Ecke der Welt stammen.
Allen meinen LeserInnen wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

Irene

Sonntag, 15. November 2009

Am Ende der Welt

Derzeit befinde ich mich in Ushuaia, der suedlichsten Stadt der Welt, die sich selbst als das "Ende der Welt" bezeichnet. Diese kleine Stadt, direkt am Meer gelegen, lebt fast ausschliesslich vom Fremdenverkehr. Die Kreuzfahrtschiffe in Richtung Antarktis liegen hier im Hafen. Ich wuerde auch gerne eine Antarktis-Fahrt machen, aber die Preise sind fuer mich einfach nicht bezahlbar: Die Fahrten dauern mindestens 11 Tage und kosten zwischen 8000 und 10.000 Euro! Wir haben heute mit jungen Leuten aus Holland gesprochen. Sie haben eines der sehr wenigen Last-Minute-Tickets ergattert und zahlen pro Person nur 4000 Euro... fuer eine Lehrerin im Sabbatical kein Thema!
Wir bewegen uns also eher im Nahbereich und haben schon einen wunderschoenen, ganztaegigen Ausflug in den Beagle-Kanal (bekannt als Maghellan-Strasse) unternommen. Die Fahrt ging mit einem Katamaran zuerst zur Isla de Pajaros (Vogelinsel), auf der sehr viele Kormorane nisten, zur Insel der Seeloewen und schliesslich an den Strand der Pinguine. Danach besuchten wir eine Estanzia (sowas wie eine grosse Farm) mit angeschlossener Walforschungs-Station (gefoerdert von einer Mineraloelfirma, die hier in der Naehe die Erdoelquellen ausbeutet- was man nicht alles aus schlechtem Gewissen tut...). Ein junger Wissenschaftler erklaerte uns anhand von Skeletten die Welt der Wale, von denen es hier vor allem die kleineren Arten gibt. Schliesslich ging die Fahrt im Bus weiter, vorbei an riesigen Flaechen zerstoerten Urwaldes. 250.000 Biber treiben hier ihr Unwesen. Sie wurden vor ca. 20 Jahren mit einem Paar eingefuehrt und entwickelten sich zur absoluten Plage. Sie werden doppelt so gross wie die kanadischen Biber und haben zum Leidwesen der Menschen hier auch noch ein minderwertiges Fell. Sie bauen ueberall, wo kleine Wasserlaeufe sind ihre Daemme und setzen damit ganze Waelder unter Wasser, was ein gigantisches Waldsterben zur Folge hat. Am Ende unseres Ausfluges besuchten wir noch eine Schlittenhunde-Station. Hier wird eine eigene Misch-Rasse, die besonders widerstandsfaehig ist, gezuechtet.
Gestern besuchten wir den Nationalpark. Wir wanderten auf sehr schlammigen Wegen ca. 4 Stunden durch den patagonischen Urwald. Die Baeume hier wachsen sehr langsam, werden extrem alt und haben ganz kleine Kronen und kleine Blaetter. Irgendwie wirken sie wie grosse Buxbaeume. Die Fauna ist in diesen Waeldern vor allem durch Wildgaense und Hasen bzw. Kaninchen vertreten. Ein frecher Raubvogel bettelte um Anteile an der Jause.

Heute haben wir noch das hiesige Museum besichtigt. Es ist in einem ehemaligen Gefaengnis untergebracht, denn auch hier, wie an so vielen abgelegenen Plaetzen der Welt, haben Straeflinge die erste Infrastruktur aufgebaut.
Morgen geht es weiter nach Chile: Punta Arenas ist dort unsere erste Station. Die Fahrt dorthin dauert wieder ca. 12 Stunden, was aber in den recht guten Bussen hier keine grosse Strapaz ist. Wir werden dort nur uebernachten und weiter nach Puerto Natales fahren. Dort beginnen die grossen Gletscher der Anden... Im Bilderarchiv sind wieder einige Fotos zu sehen - bei Interesse daran, einfach ein Klick auf den Link rechts. Nun freue ich mich auf Chile - vielleicht gibt es auch dort eine gute Versorgung mit Computern, dann melde ich mich wieder mit einem Bericht.

Samstag, 7. November 2009

Patagonien I

Seit meinem letzten Eintrag ist sehr viel passiert: Da ich diesen Blog auf einem PC in einem Hostel schreibe, muss ich mich kurz halten...
An unserem ersten Reisetag hier in Argentinien hatten wir mit unserem gemieteten "Wohnmobil" einen boesen Unfall verursacht durch einen Reifenplatzer. Der Wagen war nicht mehr steuerbar, krachte in die Leitplanken und ueberschlug sich. Gottseidank ist uns gar nichts passiert. Wir hatten nicht einmal einen groeberen Schock. Der Selbstbehalt fuer die Versicherung war zu bezahlen, dafuer bekamen wir von der Firma die schon bezahlt Automiete zurueck.
Zuerst wollten wir so schnell als moeglich wieder nach Guatemala zurueck, doch es war keine Umbuchung moeglich. Nach ein paar Tagen in Buenos Aires beschlossen wir unsere Reise mit dem Bus fortzusetzen. Derzeit befinden wir uns in Puerto Madryn. Von hier aus haben wir heute einen Ausflug zur Halbinsel Valdes unternommen. Wir haben dort eine Seeloewenkolonie, Guanakos und Wale gesehen. Letztere leider nur sehr weit entfernt, denn die Whale-watching-Boote konnten wegen des hohen Seeganges nicht starten.
Wir fahren morgen noch einmal mit dem Bus zur Whale-watching - Station - vielleicht kann ich morgen schon Walfotos liefern....
Auf jeden Fall hat uns der Urlaub bisher ganz schoen gefordert, was Flexibilitaet und gute Nerven betrifft. Wir hoffen, dass es nun ein wenig ruhiger weiter geht.
Einige Fotos koennt ihr wie immer mit einem Klick auf den Link rechts sehen.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Sehenswürdigkeiten nur für Einheimische

Ein Ausflug in eine Gegend ohne jegliche Touristen ist schon was Feines! Vergangene Woche war ich mit einem Kollegen aus der Österreichischen Schule und einer Voluntärin aus der Casa Hogar in El Estor, nahe der Atlantikküste Guatemalas. Markus, der Lehrer aus dem Colegio Austriaco musste dort den Besuch der Frau Ministerin Schmid vorbereiten. Sie besucht am 30. Oktober die zweisprachige Landschule von El Estor, die von Österreich unterstützt wird. Diese zweisprachigen Schulen bieten Unterricht in Spanisch und in der regionalen Mayasprache. Besucht werden diese Schulen ausschließlich von indigenen Kindern. Der Staat Guatemala unterstützt Schulen dieser Art nicht, da offensichtlich kein Interesse an der Pflege der Mayasprachen besteht. So ist man dort auf Hilfe von außen angewiesen. Um diese auch weiterhin sicher zu stellen, karrt man die Frau Minister in diesen Ort nahe am Ende der Welt. Ich würde gerne ihr Gesicht sehen, wenn das Auto den Rumpel-Weg zur Schule befährt... :-)

Nach getaner Arbeit fuhren wir ein paar Kilometer aus dem Ort hinaus und hielten am Eingang zu einer Klamm (neudeutsch auch Canyon genannt). Diese Klamm befuhren wir mit einem kleinen Boot flussaufwärts. Die Wände des Canyons sind mit wunderschöner Vegetation bedeckt und das Wasser des kleinen Flusses ist glasklar. Flussabwärts schwammen wir und ließen uns von der Strömung treiben - und das in völliger Ruhe und ohne Menschen rundherum: ein Erlebnis der besonderen Art!

Ein paar Kilometer weiter: Die nächste Erholungsoase - ein Thermalwasserfall! Man stelle sich vor: mitten im Regenwald fließt ein größerer, klarer ganz normaler Bach. In diesen mündet ein zweiter in Form eines Wasserfalls. Das Besondere daran ist, dass dieser Zufluss sehr warm, man könnte sagen heiß ist. Man schwimmt also durch recht kühles Wasser in Richtung Wasserfall und dieser ist in seiner Wärme grad noch erträglich - ein paar Grade mehr und man würde sich verbrennen. Dazu riecht es stark nach Schwefel, denn das Wasser ist schwefelhaltig. Die Haut und die Haare sind nach dieser Wasserfall-Dusche weich und samtig. Und das alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit - keine Turisten und nur ganz wenige Einheimische.

Den Abschluss unseres zweitägigen Ausflugs bildete ein wundervoller Fischschmaus in einem einfachen Strandbeisl bestehend aus frischem Seefisch und "handgeschnitzten" Pommes.

Schade, dass die Frau Minister all diese Dinge nicht genießen wird können .... :-)

Dienstag, 27. Oktober 2009

3 Tage reisen und leben mit guatemaltekischen Jugendlichen

Noch total voll von Eindrücken setze ich mich jetzt gleich an den Laptop und versuche ein bisschen von dem zu vermitteln, was ich in den letzten Tagen erlebt habe:

Am Sonntag sollte es um 5.00 Uhr von der Casa Hogar (eine Art Kinderheim für Indiginas, das von Österreich aus gefördert wird) losgehen. Die beiden Zivildiener Lukas und Reinhard, die Volontärin Bettina, die guatemaltekische Frau des Direktor des Hauses und 23 Kinder und Jugendliche und ich mit einem Bus voller Lebensmittel, mit einigen geborgten Zelten (leider zu wenige!) und viel guter Laune, ab in Richtung Semuc Champey, einem Naturwahrzeichen Guatemalas.

Es begann schon anders: Lukas und Bettina erwischten die Grippe - wir fuhren also zu dritt los mit den 23 Jugendlichen von 12 - 18 Jahren, statt um 5.00 Uhr um 7.00 Uhr, aber so genau ist das hier in Guatemala nicht. Der Bus erwies sich auch als Hit der besonderen Art. Schon nach ca. einer Stunde des weiten Weges (ca. 8 Stunden) lag unser Chauffeur unter dem Bus, die Bremsen funktionierten nicht richtig - 30 Minuten mit Werkzeug aus einem kleinen Werzeugkasten geschraubt und gezangelt und weiter ging es - nicht ohne dass sich der Fahrer heftig bekreuzigte! Ca. 20 km vor Semuc Champay, im letzten Ort vor unserem Reiseziel , kam das Aus: Hier geht es nicht weiter mit dem großen Bus - also einen Pickup mieten - alles umladen - alle hinten auf die Ladefläche - und weitergerumpelt über eine sehr steile, schmale und schlechte Straße bis zum "Hotel" .... Hier dürfen wir im Garten campieren. Das "Hotel" gehört einem Italiener aus der Gegend von Mailand (!) - er hat hier einige Zimmer gebaut und kocht italienisch. Hungrig wie wir sind möchten wir den mitgebrachten Gemüse-Eintopf, den ich am Vortag mit Wilfried gekocht habe, am offenen Feuer aufwärmen. Da es nach dem Aufstellen der Zelte schon dunkel ist, kommen wir nicht mehr zum Holz sammeln. So können wir auch nicht kochen - aber die Kinder wissen sich zu helfen: Sie gehen einfach zu einer nahegelegenen Hütte, in der Indiginas wohnen und lassen dort die 3 Töpfe am offenen Feuer aufwärmen. Danach geht es satt und müde ins Zelt. Die Nacht ist, typisch für den Regenwald, feucht, und eher untypisch, relativ kühl.

Am nächsten Tag marschieren wir begleitet von einem jungen Führer ungefähr 45 Minuten lang nach einem Frühstück aus Bohnen und Tortillas durch den Regenwald an den Fluss mit den vielen wunderschönen, klaren, natürlichen Schwimmbecken. Das Wetter ist sehr schön und alle genießen das Schwimmen und auch die Aussicht vom "Mirador", einem Aussichtspunkt, hoch über dem Fluss. Nur wenige der Jugendlichen schwimmen gut, eigentlich gar keiner - Vorsicht ist also angebracht und Reinhard und ich wechseln uns in der Aufsicht ab. Zeitweise fühle ich mich in Zeiten von Sommersportwochen in Österreich versetzt...

Die Jugendlichen haben ständig Hunger: Es werden wieder Tortillas besorgt (man bekommt sie hier gegen Bezahlung in vielen Häusern), dazu gibt es Sardinen aus Dosen, dann Kekse, Mandarinen, Chips usw. usw.

Am Nachhauseweg schlägt unser Führer einen kleinen Pfad durch den Regenwald vor - er sei kürzer... Nach ca. 1 Stunden wissen wir, dass sich unser Führer in der Einschätzung der Länge des Weges geirrt hat, es wird langsam dunkel. Wir kommen an armseligen Hütten vorbei und ich sehe Menschen, die genauso arm leben wie in Kambodscha: ohne Strom, ohne sauberes Wasser - hier zeigt sich Guatemala als Entwicklungsland! Nach 1 1/2 Stunden kommen wir müde bei unseren Zelten an - wir sind froh, dass wir es ohne Verletzungen geschafft haben, denn der Weg war schwer zu begehen und unser Führer ziemlich unfähig.

Nach einem Abendessen bei unserem Gastgeber (Suppe mit Gemüse und großen Hendlstücken) gibt es noch ein Lagerfeuer, ein Trommelkonzert des Chefs des Hauses mit einigen Freunden und dem Braten von Würsteln und Marshmallows. Wieder ist die Nacht nach diesem sehr heißen Tag eher kühl und kurz: Wir beginnen um ca. 5.30 zusammenzupacken, denn die Pickups sollen uns um 7.00 Uhr abholen. Sie stehen auch fast pünktlich da, verlangen aber nun statt der ausgemachten 5 Quetzal 7,50 Quetzal pro Person für den Transport. Dona Martha, die Frau des Direktors der Casa Hogar, ist nicht bereit den höheren Preis zu zahlen, und so stehen wir eine Stunde lang mit unserem Gepäck da und warten die Verhandlungen ab. Diese verlaufen nicht erfolgreich und die beiden Pickupfahrer verlassen uns mit viel Geschimpfe. Plötzlich taucht ein anderer Pickup auf, der bereit ist uns um den Preis von 5 Quetzal /Person zu transportieren. Also - alles aufladen und zweimal fahren. Unterwegs entledigt sich der Fahrer der beiden großen, prall gefüllten Müllsäcke, die wir in guter europäischer Manier mitgenommen haben um sie der Müllabfuhr in der Hauptstadt zu überlassen, indem er sie einfach über eine steile Böschung in den Regenwald wirft. Mir blutet mein Umweltschützer-Herz, aber was soll`s - das ist Guatemala!

Mittlerweile ist es 9 Uhr und wir fahren mit großer Verspätung mit unserem Bus ab. Unterwegs steht der Verkehr plötzlich. Wir erfahren, dass Indiginas die Straße aus Protest blockiert haben. Sie verlangen eine Land- und Agrarreform. Diese ist hier schon seit Jahrzehnten ein Thema. Es ist hier wie in vielen anderen Ländern Mittel- und Südamerikas: Wenige reiche Großgrundbesitzer besitzen den Großteil des Landes. Die indigene Bevölkerung, meist Mayas, haben nur ganz kleine Felder (Milpas genannt) und kämpfen ständig ums Überleben. Nach meiner Rückkehr habe ich erfahren, dass die Proteste landesweit laufen. Die Hauptstadt ist voll von Militär. Wir hoffen, dass es zu keinen größeren Ausschreitungen kommt.

Zuerst heißt es, dass die Straße bis zum Abend blockiert sein wird - wir haben noch ca. 4 Stunden Fahrt und es gibt keine Ausweichmöglichkeit! Es gibt zwar eine Tankstelle, aber keine Toilette. Die Mädchen beschließen, auf die Suche nach einem Klo zu gehen. Ich begleite sie. Wir marschieren einen kleinen Weg durch den Wald entlang. Meiner Meinung nach, gäbe es hier genügend Freiluft-Kloplätze - doch das ist für die Mädchen hier kein Thema. Schließlich kommen wir zu einigen ärmlichen Hütten. Die Mädchen gehen zielstrebig zu einem kleinen Holzverschlag mit Plastikfolien-Tür. Das ist das ersehnte Klo! Ich hätte den Wald bevorzugt, doch so habe ich auch erlebt, wie Toiletten im Regenwald aussehen! (siehe auch Foto im Fotoarchiv).


Als wir zurückkommen, fließt der Verkehr wieder und wir setzen unsere Fahrt fort. Der Fahrer möchte anscheinend die verlorene Zeit einholen und fährt wie ein Wilder. Am Anfang zittere ich noch mit, indem ich das Geschehen auf der Straße mitverfolge, dann denk ich, dass das nur meinen Nerven schadet und beginne mich in mein Buch zu vertiefen.

Um ca. 18.00 treffen wir in der Hauptstadt ein. Es war ein interessanter Ausflug und ich war oft gezwungen Spanisch zu sprechen (zu stammeln wäre wahrscheinlich die bessere Beschreibung). Die Jugendlichen hier unterscheiden sich von den Jugendlichen in Österreich nicht grundsätzlich. Sie lieben ähnliche Musik (manche spanische Schmachtfetzen würden allerdings bei uns nicht gut ankommen), die Mädchen kreischen genau so pubertäer und die Burschen müssen sich profilieren. Was vielleicht der größte Unterschied ist: Die Jugendlichen sind unheimlich gut im Improvisieren, wenn etwas nicht funktioniert, sie sind ziemlich diszipliniert, recht bescheiden, "g`schamig" und ständig hungrig (ich hab nicht den Eindruck, dass Mädchen hier einen Schlankheitswahn haben!). Es gibt wenig Streitereien und alle greifen bei nötigen Arbeiten zu. Nach unserer Ankunft in der Casa Hogar habe ich ein ähnliches Gefühl wie nach einem Schikurs: Durchatmen und froh sein, dass alles gut gegangen ist...

Wenn ihr auch einen optischen Eindruck von diesem Ausflug haben wollt - Klick auf den Link rechts.

In den nächsten Tagen werde ich noch über den Ausflug nach El Estor berichten und dann verabschiede ich mich nach Patagonien.



Mittwoch, 7. Oktober 2009

Mitten im guatemaltekischen Leben

Nach 2 Wochen ohne Internet (ein Draht am Dach war korrodiert und es kann hier sehr lange dauern, bis jemand von der Telefongesellschaft kommt), melde ich mich wieder direkt aus dem guatemaltekischen Leben, in das ich wiederum ein wenig tiefer eingetaucht bin.

Vor ca. 2 Wochen verließ uns nicht nur das Internet, sondern auch unser Auto. Genauer gesagt, hatte ich einen kleinen Auffahrunfall (Gottseidank kein Personenschaden und auch kein Schaden am anderen Auto) und Wilfrieds Auto steht seither in der Reparaturwerkstätte. Da mein Kurs in einem anderen Viertel der Stadt stattfindet, muss ich das Verkehrsmittel aller armen Guatemalteken wählen: den städtischen Bus. Nun muss man dazu wissen, dass die städtischen Busse besonders gefährdet sind: ca. 90 Buschauffeure wurden dieses Jahr (allein in Guatemala-City) schon erschossen. Warum? Das weiß man nicht so genau. Irgendwie ist das so eine Mafia-Geschichte: Die Buslinien sind an verschiedene "Gesellschaften" vergeben und man munkelt, dass die Fahrer dann dran glauben müssen, wenn die "Schutzgebühr" nicht entrichtet wurde. Aber wie gesagt: Man (der Europäer) weiß es nicht genau... Auf jeden Fall fahren hier nur arme Leute mit dem Bus. Auf die Frage an einige Lehrer der Österreichischen Schule, wie oft sie mit dem Bus gefahren seien, lagen die Antworten zwischen nie bis höchstens einmal!

Also: Ich schließe mich also täglich an die Zivildiener der Casa Hogar (das ist das österreichische Sozialprojekt für Indio-Kinder hier) an, die auch im Amerikanischen Institut Spanisch-Kurse besuchen und mit dem Bus dorthin gelangen (Zivis gehören auch zu den Armen!). Ich gehe von der Österreichischen Schule bis zur Casa Hogar zu Fuß (ca. 10-15 Minuten) - klingt für österreichische Ohren ganz normal, ist es aber nicht! Hier geht kein Weißer (und schon gar keine weiße Frau) zu Fuß! Mindestens jedes 3. Auto hupte mich auf meinem Weg an... Dann marschierten wir über eine steile "Treppe" durch das Dorf Santa Rosita (siehe Foto) zur Bushaltestelle. Die Busfahrt kostet 1 Quetzal = ca. 8 Cent. Die Busse sind in abenteuerlichem Zustand und meist sehr voll. In manchen Bussen stehen beim Ein- und beim Ausgang bewaffnete Wächter - die ganze Fahrt über. Je nach Buschauffeur gibt es laute Rap-Musik oder auch ohrenbetäubende Latino-Schmachtfetzen. Oft steigen Händler ein, die im Bus alles mögliche verkaufen wollen. Ein paarmal gab es auch musikalische Darbietungen von behinderten Menschen (z. B. Blinden), die während der Fahrt im Bus stehen und singen und danach einfach absammeln gehen. Hier hat sich zu meiner Überraschung gezeigt wie solidarisch diese armen Menschen sein können: Fast jeder im Bus hat den Behinderten ein paar Münzen gegeben! Diese Menschen leben selbst von der Hand im Mund, aber einem offensichtlich Behinderten geben sie noch etwas ab! Da könnten sich die Reichen dieses Landes eine Scheibe abschneiden, denn ich finde es z. B. unmöglich, dass sich Guatemala nun mit einem Hilferuf an die internationale Öffentlichkeit wendet, weil in den Trockengebieten Hunger herrscht. Hier im Land gibt es soviele steinreiche Menschen! Würde man diesen Reichtum nur etwas mehr besteuern, würde man den Grundbesitz nur etwas besser aufteilen, müsste in Guatemala kein Mensch hungern!

Aber das ist wiederum eine andere Geschichte...

Ich habe von meinen Busfahrten und von den Menschen in den Bussen deshalb nur so wenige Fotos, weil ich in diesen Bussen eine von ihnen sein wollte - nicht die Touristin, die sich an der Armut "ergötzt".

So habe ich wieder einen Schritt tiefer ins guatemaltekische Leben getan - trotzdem, und das will ich nicht verhehlen, werde ich froh sein, wenn das Auto fertig repariert ist...